Inhalt
Der/die Erzähler/in liegt zu Beginn der Vorstellung gefesselt und zusammengekauert auf dem Boden. Über dem Erzähler/ingewand trägt er/sie ein schmutziges, langes, weißgraues Hemd. Sobald das Publikum sitzt, kommt ein vorher instruierter Erwachsener auf die Spielfläche, zieht ihn/sie grob hoch, stößt ihn/sie bis zur Türe, nimmt ihm/ihr die Fesseln ab, öffnet die Türe und schubst ihn/sie hinaus. Er ruft hinter ihm/ihr her: „Du bist frei, geh!!“ und setzt sich wieder auf seinen Platz.
Der/die Erzähler/in kommt herein, geht auf die Spielfläche, fragt die Kinder, ob sie wüssten, wer das gerade gewesen wäre, den er/sie gespielt hätte. Sobald die Kinder erraten haben, dass es Nikolaus gewesen ist, erzählt der/die Erzähler/in die Entstehungsgeschichte, des heiligen Nikolaus. Die Kinder spielen den Heiligen, der heimlich die 3 Goldklumpen in das Zimmer der Mädchen wirft, wählen den Kinderbischof, der Erwachsene tadeln und belohnen darf, stellen beim Schiffchensetzen, die Schiffchen auf, die mit Gaben gefüllt werden, lesen aus dem goldenen Buch vor und spielen die drei finsteren Begleiter.
Wissenswertes
Herbstheiliger
Gedenktag: 6. Dezember
Patron: Er ist der Hauptpatron von Russland und Griechenland.
Er beschützt Kinder, Schüler und Studenten. Der Legende zufolge hat er 3 ermordete Schüler wieder zum Leben erweckt.
Seefahrer, Schiffer und Fischer rufen ihn um Hilfe an, weil er angeblich während eines Sturms nur durch sein Gebet das Meer wieder beruhigt hat.
Kaufleute, Händler und Bäcker haben ihn wegen einer legendären, wundersamen Getreidevermehrung zu ihrem Schutzherren gewählt.
Pfandleiher und Bankiers berufen sich auf die Legende der Jungfrauenrettung.
Volksbrauchtum
Kaufleute raubten 1087 die Reliquien aus Myra und brachten sie nach Bari. Seitdem gilt Bari in
Süditalien als Zentrum der Nikolausverehrung.
Gabenbringer: Die Darstellung und Verehrung des heiligen Nikolaus als Gabenbringer entwickelte
sich ab dem 14., 15. Jhdt. aus alten Legenden und kirchlichen Bräuchen.
14. Jhdt.: Beim Kinderbischofsfest, das es seit dem 14. Jhdt. gibt, wählen Kinder in Klosterschulen am 5. Dezember einen Kinderbischof. Er darf an diesem einen Tag das Fehlverhalten Erwachsener tadeln und sie für gutes Benehmen mit Zuckerwerk belohnen. Der 6. Dezember war der einzige allgemeine Schenktag im Jahr.
15. Jhdt.: Seit dem 15. Jhdt. gibt es den Brauch „Schiffchensetzen“. Kinder basteln kleine Papierschiffchen für die Nikolausgaben, weil Nikolaus auch der Schutzpatron der Seefahrer ist. Manche meinen, dass sich aus den Schiffchen das Aufstellen der Schuhe entwickelt hätte.
1535: Martin Luther war strikt gegen die Heiligenverehrung und -anbetung. So verlegte er die Bescherung auf das Weihnachtsfest, um den Heiligen Nikolaus als Gabenbringer abzuschaffen. Er erfand die Figur des „Heiligen Christ“, Jesus Christus als erwachsenen, gabenbringenden Mann.
In katholischen Regionen blieb Nikolaus am 6. Dezember der Gabenbringer, in reformierten kam der Heilige Christ am 24. Dezember.
19. Jhdt.: Es fand eine Umkehrung statt. Aus dem Heiligen Christ war das Christkind geworden, das nun die Gaben brachte. Es war zunächst der kindliche Jesus, heute gleicht es einem Engel. Es wird der kindliche Jesus als Christuskind vom engelsgleichen Christkind immer öfter in der röm.-kath. Kirche unterschieden. In reformierten Regionen gibt es heute häufiger als das Christkind den Weihnachtsmann als Reimport aus Amerika. Er ist das Pendant zum Heiligen Nikolaus.
Einlegebrauch: Schuhe Aufstellen: Kinder stellen Schuhe oder Teller zur oder vor die Tür. Sie werden in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember mit Äpfeln, Mandarinen, Nüssen und Süßigkeiten gefüllt.
Einkehrbrauch: Nikolaus kommt zu Familien, in Kindergärten, Schulen und sonstigen Kinderbetreuungseinrichtungen. Er liest aus einem goldenen Buch ihre guten und bösen Taten vor, lobt oder tadelt sie und verteilt aus einem großen Sack Äpfel und Sonstiges.
Begleiter: In manchen Regionen kommt er mit der heiligen Barbara, in anderen mit dem finsteren Begleiter – Österreich Krampus, Norddeutschland Knecht Ruprecht, Schweiz Schmutzli.
Historizität – Verschmelzung
Es gibt keine zeitgenössischen Quellen. Er ist heilig durch Vox populi.
7. Jhdt.: Die wenigen historisch verbrieften Tatsachen seines Lebens stammen von Andreas von Kreta. Hinter dem Heiligen Nikolaus stehen 2 Personen.
3. und 4. Jhdt.: Bischof Nikolaus von Myra lebte in der heutigen Türkei. Damals lag Myra in der Region Lykien in Kleinasien, dem griechischsprachigen Teil des römischen Reiches. Sein Geburtsjahr, zwischen 270 und 286, ist genauso wenig geklärt wie sein Sterbejahr 326, 345, 351 oder 365. Einigkeit herrscht über den 6. Dezember als Todestag.
Als er 19. Jahre gewesen ist, hat ihn sein Onkel, ebenfalls Nikolaus, Bischof von Myra, zum Priester geweiht.
310: Während der Christenverfolgung unter den Nachfolgern von Kaiser Diokletian, geriet er in Gefangenschaft und wurde gefoltert.
313: Durch das Mailänder Toleranzedikt von Kaiser Konstantin entging er der Hinrichtung und wurde aus dem Gefängnis entlassen.
325: Es gibt Berichte über seine Teilhabe am 1. Konzil von Nicäa (Iznik-Türkei). In den 16 bekannten Teilnehmerlisten scheint sein Name 6 Mal auf.
6. Jhdt.: Die 2. Person war Nikolaus von Sion, Abt des Klosters Sion, danach Bischof in Pinara (Lykien). Die „Vita Nicolai Sionitae“ ist eine zeitgenössische Biografie. In dieser sind Wunder und Reisen beschrieben, die im Mittelalter allmählich Nikolaus von Myra zugeordnet worden sind.
Rezeption und Ikonographie
Es gibt einerseits die kirchliche Verehrung, die besonders in der griechisch und russisch orthodoxen Kirche sehr stark ist. Er ist ein Brückenheiliger zwischen Ost- und Westkirchen. Andererseits seit dem 19. Jhdt. die Säkularisierung und Kommerzialisierung als Weihnachtsmann bzw. St. Claus. Er ist nicht mehr als Bischof gekleidet, sondern als dicker, gemütlicher Mann mit dichtem weißen Bart und Zipfelmütze.
Die große Freigiebigkeit von Nikolaus, die ihm sein reiches Erbe schon ermöglichte, bevor er Bischof geworden war, führte zu zahlreichen Legenden. Die bekannteste ist die der Mitgiftspende. Als Nikolaus erfuhr, dass ein armer Mann, der die Mitgift seiner 3 Töchter nicht bezahlen konnte, sie als Prostituierte verkaufen wollte, warf er heimlich in der Nacht drei Goldklumpen beim Fenster der 3 Mädchen in ihr Zimmer. Der dritte Goldklumpen landete in einem Schuh. Daher rührt der Brauch, Schuhe aufzustellen, damit sie am Morgen mit Gaben gefüllt sein sollen.
Nikolaus soll auch Macht über den Sturm gehabt und Wunder gewirkt haben.
Attribute: Bischofsmütze (Mitra), Krummstab, weiß-goldenes Messgewand, 3 Äpfel, 3 goldene Kugeln oder 3 Brote, Buch, Schiff, Anker